Presse

OrgelFest 2009 in Z├╝rich: Orgelrecital Mielewczyk

Man durfte gespannt sein auf das Recital von Mielewczyk. Er ist bekannt als Konzertorganist und hat als Experte beim diesj├Ąhrigen Orgelwettbewerb geamtet. Mit Freude haben wir entdeckt, dass er im Z├╝rcher CD-Verlag WIEDISCON eine CD mit Rheinberger-Werken f├╝r Violine und Orgel in Zusammenarbeit mit dem Konzertmeister Z├╝rcher Oper (Bartek Niziol) herausgegeben hat.

Mit einem unbekannteren Werk (Hummel: Pr├Ąludium und Fuge c-Moll, op. Posth. 7) begann das Programm, es erwies sich als idealer Einstieg zu dreich Choralvospielen von J.S. Bach, darunter auch "Kommst Du nu Jesus vom Himmel herunter". Der spontane Applaus nach diesem St├╝ck zeigt die Meisterschaft des Interpreten, hatten wir im Laufe des Festivals dieses St├╝ck doch bereits sechsmal in ganz unterschiedlichen Interpretationen h├Âren d├╝rfen.

Mit Zsolt G├írdonyis (*1946) "Mozart Changes" erklang ein reizvolles Werk, das zwischen klassischen Mustern und Jazz-Rhythmen leichtf├╝ssig hin und her geht. Der Organist stellte sich mit ├╝berlegener Selbverst├Ąndlichkeit und sichtbarer Freude dieser Herausforderung. - Auch das "Carillon De Westminster" von Vierne zeugte von grosser Spielfreude. Die Improvisation war aber ├╝berw├Ąltigend: zauberhafte Kl├Ąnge, reizvolle Motive, brillante virtuose L├Ąufe... ein Feuerwerk, nicht in ├Ąusserlichkeit, sondern eines von einem Vollblutmusiker. Ein St├╝ck von H├Ąndel als Zugabe rundete den gelungenen Abend ab. An dieser Stelle ist auch einmal unser aufrichtiger Dank an die Festival-Leitung am Platz f├╝r die Organisation dieser hochstehenden Konzerte mit internationalen Top-Musikern!

Dr. Klaus Mensindorfer

29. Internationale Orgelwoche Korschenbroich, Sept. 2006
Temperamentvoller Virtuose
Die gr├Â├čte erhaltene Franz-Eggert-Orgel von 1899 steht in der Herz-Jesu-Kirche in Berlin-Mitte. Auf diesem Instrument original-romantischer Pr├Ągung spielt seit dem Jahr 2000 als Kantor der 1965 in Polen geborene Organist Andrzej Mielewczyk. Nun war er zu Gast bei der 29. Internationalen Orgelwoche in Korschenbroich - und teilte viel von seiner Vorliebe f├╝r gro├če romantische Orgelmusik mit.
Das ÔÇ×Konzert in d-MollÔÇť von Johann Sebastian Bach (BWV 596), eine fast notengetreue ├╝bertragung eines Vivaldi-Concertos f├╝r zwei Violinen, Violoncello und Streichorchester, war zwar zu Beginn mit feinen dynamischen Effekten ausgestattet, dann aber gab Mielewczyk seinem Temperament nach, registrierte ├╝ppig, im Finale zu scharf, es wurde zur wilden Jagd. Lediglich das ÔÇ×LargoÔÇť, das Bach liebte und in seiner C-Dur-Toccata nochmals w├╝rdigte, hatte barockes Ebenma├č mit sch├Ân tremulierender Solo-Oboe aus dem Schwellwerk. Die gro├če, fast sinfonische Registrierung hingegen kam der ÔÇ×3. Sonate in c-MollÔÇť des franz├Âsischen Sp├Ątromantikers Alexandre Guilmant zugute, eine selten gespielte dreis├Ątzige Orgelsonate mit gewaltiger Schlussfuge.

Mielewczyk in seinem Element

Eine Wohltat das liedhafte ÔÇ×AdagioÔÇť, dessen Melodie Andrzej Mielewczyk wiederum fein im Schwellwerk platzierte. Ganz behutsam ging der Organist auch mit seinem Landsmann Franciszek Walczynski um, dessen ÔÇ×Adorazione, quasi FantasiaÔÇť nach kurzer akkordischer Einleitung ein polnisches Kirchenlied thematisiert und in vier kurzen, ├╝berwiegend verhaltenen Choralbearbeitungen variiert, im Stile barocker Stimmverteilungen.
Alles Romantische hinter sich lassend komponierte der 1905 in K├Âln geborene, vorwiegend aber in L├╝beck wirkende Organist Walter Kraft.
Seine Toccata ÔÇ×Ite missa estÔÇť ist ein ├╝berwiegend virtuos gestaltetes Klanggem├Ąlde, das nur auf einem ausreichend gro├č gebauten Instrument zu spielen ist. Hier war deutlich sp├╝rbar, Andrzej Mielewczyk in seinem Element, beherrschte die rasch perlenden Akkordfolgen mit Leichtigkeit, nahm sein Temperament in der lyrischen Betrachtung des Mittelteils vornehm zur├╝ck, um dann wieder aus dem Vollen der Andreas-Orgel zu sch├Âpfen. Das gefiel ihm auch bei seiner Improvisation ├╝ber die Textabschnitte ÔÇ×MagnificatÔÇť. Das Marienlob zur Gr├Â├če des Herrn begann er nach knapp hingestellten Akkorden mit von wilder Motorik gepr├Ągten modernen, fast m├Âchte man sagen: modischen, Klangkaskaden, die den Raum in endlosen Auf und Abw├Ąrtsbewegungen beherrschten. Dazwischen traten kleine verinnerlichte Passagen, fast gedankenverloren eine Vogelstimmenimitation, insgesamt eine gro├čartige, vitale Improvisation, die das ÔÇ×MagnificatÔÇť fast zu lebhaft illustrierte. Und weil wir Mozartjahr haben: F├╝r den Applaus bedankte sich der Organist mit einer kurzen und witzigen Interpretation ├╝ber das erste Thema der ber├╝hmten g-Moll-Sinfonie von Mozart.
Neuss-Grevenbroicher-Zeitung (13.09.2006)

Adventskonzert in der B├╝hlkirche Z├╝rich (9. Dezember 2006)
"Ein Meister der Improvisation"

Die langj├Ąhrige Tradition von Advents- und Weihnachtskonzerten in der B├╝hlkirche Z├╝rich Wiedikon wurde dieses Jahr mit einem Orgel-Solo-Recital weitergef├╝hrt. Der Organist der Herz Jesu-Kirche Berlin, Andrzej Mielewczyk, zeigte mit einem vielseitigen und ungew├Âhnlichen Programm seine Meisterschaft in verschiedenen Disziplinen: Bachs Orgelkonzert nach Vivaldi erklang in stilgerechter Registrierung und in gut gew├Ąhlten Tempi. Mit der Sonate c-moll von Guilmant erklang ein Werk, das wie f├╝r die Orgel der B├╝hlkirche geschaffen erschien: Klangfarbe, Agogik und die Virtuosit├Ąt des K├╝nstlers bildeten eine sehr ber├╝hrende Einheit und machten die Wiedergabe dieser Sonate zu einem Erlebnis.
Nach der "Adorazione" von Walszynski und der farbig gestalteten Toccata "Ite, missa est" von Walter Kraft folgte eine Improvisation ├╝ber den Text des "Magnificat". Hier war der Berliner Organist ganz besonders in seinem Element, lotete mystische Kl├Ąnge der B├╝hl-Orgel subtil aus, liess dann wieder seine Finger und F├╝sse in rasendem Tempo ├╝ber Tasten und Pedal sausen, und bei all dem war die Form der Improvisation jederzeit nachvollziehbar. Der rauschende Applaus n├Âtigte den Improvisator zu einer sehr geistreichen Zugabe, vielleicht speziell zum Abschluss des Mozartjahres...

Klaus Mensindorfer